Beim 20. Hamburger Symposium Persönlichkeitsstörungen wurden am 7. September 2024 der Hamburger Preis Persönlichkeitsstörungen und die Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen verliehen. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 10 000,– € wird jährlich von den Asklepios Kliniken Hamburg GmbH gestiftet und von der Gesellschaft zur Erforschung und Therapie von Persönlichkeitsstörungen (GePs) vergeben. Die Verleihung der Auszeichnungen erfolgt für wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Persönlichkeitsstörungen, die den Schwerpunkt auf den klinischen Bezug der Untersuchung legen.

Die Preisträger

Doktorin Maria Gruber und Professor Doktor Peer Briken (Foto: GePs e.V.)

Von links: Prof. Dr. Stephan Doering (Vorsitzender der Jury), Dr. Mareike Ernst, ausgezeichnet mit der Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen 2024, PD Dr. W. Emanuel Severus (Präsident der Gesellschaft zur Erforschung und Therapie von Persönlichkeitsstörungen, GePs e.V.), Dr. Nele Assmann, ausgezeichnet mit dem Hamburger Preis Persönlichkeitsstörungen 2024, und Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers. (Foto: GePs)

Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen 2024

Die mit 5.000,- € dotierte Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen wird zweckgebunden für einen Aufenthalt in einer international renommierten Forschungseinrichtung im Bereich der Persönlichkeitsstörungen vergeben. Frühere Preisträgerinnen waren an den verschiedensten Orten zwischen den USA und Israel, z.B. bei Prof. Otto F. Kernberg am Personality Disorders Institute der Cornell University New York oder bei Prof. Arnoud Arntz an der Universität Amsterdam, zu Gast und haben wichtige Impulse für ihre eigene Forschung mit nach Hause gebracht.

Im Jahr 2024 wurden sechs junge Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und der Österreich zur Präsentation ihrer Forschungsergebnisse nach Hamburg eingeladen. Die Themen der Studien reichten von Körpererleben und Dissoziation, emotionaler Reaktivität bei Straftätern, komplexen und faszinierenden Netzwerkanalysen zum Zusammenhang von Träumen, Persönlichkeitsstruktur und Symptomatik bis hin zum Ausdruck von Emotionen und Selbstverletzungen bei Boderline-Patientinnen sowie die zeitnahe Erfassung von Suizidalität bei Patient:innen mit und ohne Strukturpathologie und schließlich Traumanalysen bei Borderline-Patient:innen.

Die Beiträge der sechs Fellowship-Bewerber/-innen waren anspruchsvoll und professionell vorgetragen – mit überzeugenden Präsentationen und Diskussionen. Wie so oft war die Entscheidung nicht leicht. Die Jury entschied sich für Frau Dr. Mareike Ernst, deren Studie von höchster klinischer Relevanz sie mit großer Souveränität und Kompetenz vorstellte und diskutierte. Frau Dr. Ernst kommt aus Klagenfurt, wo sie an der Abteilung für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse als PostDoc zielstrebig an ihrer wissenschaftlichen Karriere arbeitet, sie beschäftigt sich dabei mit psychodynamischen Aspekten der Suizidprävention und mit der Psychotherapieforschung.

Der genaue Titel Ihrer Arbeit lautet: Sturz ins Nichts: Prädiktion von Suizidgedanken in einer Hochrisikostichprobe als Person-Situation-Interaktion von Strukturpathologie und Einsamkeit.

In ihrer preisgekrönten Arbeit hat sie mit einer innovativen Methodik eine Hochrisikostichprobe zehnmal täglich mittels einer Handy-App zu ihrem Befinden und ihrer Suizidalität befragt. Dabei konnte sie quasi online akute suizidale Zuspitzungen erfassen und darüber hinaus zeigen, dass ein schlechteres Strukturniveau abruptes Auftreten von Suizidalität begünstigt. Diese Arbeit ist deshalb so bemerkenswert, weil sie unmittelbar die Möglichkeit eröffnet, gefährdete Patient:innen mit (und ohne) Persönlichkeitsstörung zu erreichen, bevor sie einen Suizidversuch unternehmen. Die App könnte die Versorgenden alarmieren, die dann eine „in time“-Intervention setzen könnten. Insbesondere wegen dieser hohen Versorgungsrelevanz wurde die Fellowship Persönlichkeitsstörungen 2024 an Frau Dr. Mareike Ernst vergeben.

Hamburger Preis Persönlichkeitsstörungen 2024

Der Hamburger Preis Persönlichkeitsstörungen 2024 ging an Frau Dr. Nele Assmann, die als PostDoc an der am Zentrum für Integrative Psychiatrie ZiP, Universität zu Lübeck in der Arbeitsgruppe Psychotherapieforschung wissenschaftlich tätig ist. Sie ist Verhaltenstherapeutin, Gruppentherapeutin und Schematherapeutin. Wissenschaftlich hat sie sich konsequent mit den Themen Psychotherapieforschung und Persönlichkeitsstörungen beschäftigt und eine beträchtliche Zahl an wissenschaftlichen Arbeiten publiziert.

Ausgezeichnet wurde Frau Dr. Assmann für ihre Arbeit: The Effectiveness of Dialectical Behavior Therapy Compared to Schema Therapy for Borderline Personality Disorder: A Randomized Clinical Trial.

Die Arbeit ist im jüngsten Heft der höchst-renommierten Zeitschrift Psychotherapy & Psychosomatics erschienen. Es handelt sich um einen randomisiert-kontrollierten Non-Inferiority-Trial, der eine Gleichwertigkeit Wirkung der Schematherapie mit der Dialektisch-behavioral Therapie (DBT) bei Patient:innen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung belegte. Damit handelt es sich um eine enorm wichtige Studie für die Etablierung der Schematherapie als einer Behandlungsoption für Patient:innen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung.

In einem Vortrag stellte die Preisträgerin, Frau Dr. Nele Assmann, ihre Arbeit vor. Das Preisgeld von 5.000,- € erhält sie für weitere Forschungsprojekte im Bereich der Persönlichkeitsstörungen.

Jury und Stifter

Die Preisjury bestand aus Prof. Dr. Stephan Doering (Juryvorsitzender), Prof. Dr. Anna Buchheim, Prof. Dr. Babette Renneberg und Prof. Dr. Claas-Hinrich Lammers, sowie beratend Prof. Dr. Matthias Nagel (für die Asklepios Kliniken Hamburg GmbH).

Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 10.000,- € wird jährlich von den Asklepios Kliniken Hamburg GmbH gestiftet und von der Gesellschaft zur Erforschung und Therapie von Persönlichkeitsstörungen (GePs e.V.) vergeben. Die Verleihung der Auszeichnungen erfolgt für wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Persönlichkeitsstörungen, die den Schwerpunkt auf den klinischen Bezug der Untersuchung legen.

Literatur und Quelle

Quelle: Univ.-Prof. Dr. med. Stephan Doering Juryvorsitzender und Sprecher des Fachausschusses Forschung der GePs